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“Tote Rentnerin Wohnung Hamburg”: Wie Kriminelle sich durch Googeln selbst verraten

Wann kommt der nächste Bus? Wie entfernt man am besten Öl-Flecken aus der Kleidung? Ein Griff zum Smartphone und schon hat man die Antwort. Oft stöbert man viele Male am Tag im Internet, ganz selbstverständlich und manchmal schon fast unbewusst. Und davor sind auch Verbrecherinnen und Verbrecher nicht gefeit. Die Arbeit der Ermittler verändert das erheblich.

“Es finden sich immer mehr Beweismittel in der digitalen Welt”, sagt Fabian Puchelt vom Bayerischen Landeskriminalamt. Das zeigt sich auch immer wieder in Gerichtsprozessen, in denen virtuelle Spuren dazu beitragen können, Verdächtige zu überführen.

Ein paar Beispiele:

  • Der inzwischen wegen Mordes verurteilte Verlobte der getöteten Regensburger Studentin Maria Baumer suchte im Internet nach dem perfekten Mord und der tödlichen Dosis eines Beruhigungsmittels.
  • In einem anderen Fall vor dem Nürnberger Landgericht informierte sich ein Angeklagter im Internet über tödliche Stichverletzungen, bevor er einen Nebenbuhler erstach, mit dem er sich zuvor per SMS verabredet hatte.
  • In einem Prozess in Trier wegen einer Diebstahlserie von Endoskopen aus Kliniken machten sich zwei Männer unter anderem verdächtig, weil sie zuvor nach den betroffenen Abteilungen im Internet gesucht hatten.
  • In Hamburg googelte eine Angeklagte nach einem Messerangriff auf eine alte Frau nur fünf Stunden nach der Tat “Tote Rentnerin Wohnung Hamburg” – Details, die wahrscheinlich nur die Täterin wissen konnte.

Mobiltelefone und Computer sicherzustellen gehört für die Polizei bei vielen Straftaten mittlerweile zum Alltag. Für Mordermittler wie Frank Engelhardt vom Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg ist das Segen und Fluch zugleich, wie er sagt. Tausende von Daten gilt es oft auszuwerten.

“Das Handy kann mir erste Anhaltspunkte liefern”

“Man kann daraus viele Indizien ziehen”, sagt er. Bei vielen Apps seien zum Beispiel Ortungsdienste notwendig, so dass man sehen könne, ob jemand zumindest in der Nähe des Tatortes war. Die Kontakte könnten verraten, ob Opfer und Verdächtige sich möglicherweise kannten. Auch Chat-Verläufe und Suchanfragen könnten einen Verdacht untermauern.

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet Engelhardt bei der Polizei, 15 Jahre davon im Bereich Todesermittlungen. Seine Arbeit hat sich in der Zeit stark gewandelt. “Heute kann mir das Handy erste Anhaltspunkte liefern. Früher hat man auch mal einen ganzen Straßenzug befragt, ob jemand etwas gesehen hat. Das war sehr kräftebindend.”

Die digitalen Daten können bei den Ermittlungen helfen, machen diese aber gleichzeitig oft umfangreicher und langwieriger, vor allem, wenn mehrere Geräte ausgewertet werden müssen. “Die Datenfülle ist eine Herausforderung. Das kann dann zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen werden”, erklärt Puchelt.

Voraussetzung ist natürlich, dass die IT-Forensiker der Polizei an die Daten überhaupt herankommen. Eine Hürde sei die Verschlüsselungssoftware der Smartphone-Hersteller, berichtet Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime in Bamberg. Wenn die Besitzerinnen und Besitzer der sichergestellten Smartphones ihre Zugangsdaten nicht verraten oder die Polizei diese nicht irgendwo notiert findet, müssen die IT-Spezialisten versuchen, sie zu knacken. “Das ist eine Herausforderung”, bekennt Goger. “Das ist ein Stück weit auch ein Wettrennen zwischen Ermittlungsbehörden und Smartphoneherstellern, die zum Teil großen Wert auf eine gute Verschlüsselung legen.”

Spuren lassen sich kaum vollständig beseitigen

In der Regel gelingt es nach LKA-Angaben trotzdem, an die Daten zu kommen. “Es dauert aber länger”, sagt Puchelt. Wie in einem offenen Buch können die Ermittler in den Daten dann aber nicht lesen. Sie dürfen sich nur die anschauen, die im Zusammenhang mit der Straftat stehen. Und auch die Beweiskraft hat Grenzen.

“Die Daten sind ein Beweismittel von mehreren”, betont Engelhardt. Wenn ein Beschuldigter im Internet zum Beispiel nach dem Preis einer Waffe suche, reiche das allein noch nicht, um ihn zu überführen, weil nicht feststehe, dass er diese tatsächlich gekauft habe. Manche Daten seien auch verwirrend und führten auf die falsche Spur, erklärt der Mordermittler. Es komme auch vor, dass Beschuldigte absichtlich falsche Fährten legten.

Das bestätigt auch Goger: “Ich hatte schon Fälle, wo Angeklagte behauptet haben, dass ihr Computer gehackt worden ist”, berichtet der Oberstaatsanwalt. “Es ist aber gar nicht so leicht, seine Spuren vollständig zu beseitigen.”

Dass falsche Fährten nicht einfach zu legen sind, konnte der Erlanger Informatik-Professor Felix Freiling wiederholt in Experimenten zeigen. Er beauftragte Master-Studierende damit, einen Browser-Verlauf so zu manipulieren, dass es aussieht, als hätte jemand ein Verbrechen begangen. Das Ergebnis finde er sehr beruhigend, schildert Freiling, der die Zentralstelle Cybercrime berät, die Ergebnisse: “In eigentlich allen Fällen sind die Fälschungen aufgefallen.”

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