Wirtschaft

Gendernde Bosse: So halten es die Dax-Chefs mit Sternchen und Doppelpunkt

Die Führungsriegen der Dax-Konzerne sind so ziemlich das männlichste, was man in Deutschland finden kann. In den Vorständen sind Frauen derart unterrepräsentiert, dass eine gesetzliche Quote Abhilfe schaffen soll. Und von den 30 Chefposten ist gerade mal einer weiblich besetzt – Belén Garijo sei Dank, die Anfang Mai die Führung des Pharmakonzerns Merck übernommen hat.

Das Jobportal Indeed hat nun untersucht, wie es die Männerriege in der Chefetage mit dem Thema gendergerechte Sprache hält. Dafür untersuchte Indeed die Social-Media-Postings der 19 – ausschließlich männlichen – Dax-CEOs, die ihre Profile in sozialen Netzwerken aktiv bespielen. 441 aktuelle Beiträge flossen zum Stichtag 30. April in die sprachliche Analyse ein, davon 318 auf englisch und 123 auf deutsch.

Dabei zeigte sich: Im Englischen hatten die Bosse (und ihre Social-Media-Teams) keine Probleme, genderneutral zu formulieren. Die Beiträge kamen komplett ohne generisches Maskulinum aus, das im Englischen in Form von Pronomen wie he/him/his auftreten kann. Meist wurden stattdessen Pluralformen wie we/they/us genutzt. Dass das Englische generell weniger weibliche Formen kennt – “customer” meint Kundin genauso wie Kunde – machte die Sache zudem einfacher.

Vermeidung als Hauptstrategie

Die auf deutsch verfassten Chef-Beiträge stellten die Verfasser da schon vor etwas größere Schwierigkeiten. In 13 Prozent der Texte wurde das generische Maskulinum genutzt, immerhin 87 Prozent waren laut Analyse gendersensibel formuliert. Beim Gendern setzen die Dax-Chefs aber vor allem auf eine Vermeidungsstrategie. Die Mehrzahl der genderneutral formulierten Texte zeichnete sich dadurch aus, dass geschlechtsspezifische Wörter gezielt durch inklusive Ausdrucksweisen wie “wir”, “Menschen” oder “Team” ersetzt wurden.

Tatsächlich gegendert wurde in 39 der deutschen Beiträge. Am häufigsten (19 Mal) verließen sich die CEOs dabei auf die ausführliche Formulierung mit “und” (Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen). Acht Mal setzten sie auf den Gender-Doppelpunkt (Mitarbeiter:innen), sechs Mal auf das Gendersternchen (Mitarbeiter*innen) und fünf Mal auf das Binnen-I (MitarbeiterInnen).

Indeed-Deutschlandchef Frank Hensgens hält die Ergebnisse der Auswertung für ermutigend. Es sei begrüßenswert, dass die Dax-Chefs ein diskriminierungsfreies Miteinander vorlebten und gendergerechte Formulierungen wählten. “Das prägt nicht nur die öffentliche Wahrnehmung und die Arbeitgebermarke, sondern wirkt sich bestenfalls auch positiv auf eine Kultur der Vielfalt im Unternehmen aus.”

Jetzt fehlt nur noch die Vielfalt auf den Chef-Sesseln selbst. SAP-Chef Christian Klein etwa glänzt in der Analyse mit 40 tadellos genderneutral gehaltenen Texten. Seine Co-Chefin Jennifer Morgan, 2019 zur ersten weiblichen Dax-CEO aufgestiegen, musste trotzdem im vergangenen Jahr nach nur sieben Monaten im Amt wieder gehen.

QUELLE

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