Kultur

Jüdisches Museum: Die Suche nach Erlösung

Die Frage, wie die Welt heute aussehen würde, wären in der Vergangenheit andere Entscheidungen gefallen, ist in der Kultur allgegenwärtig: Im Roman “Er ist wieder da” von Timur Vermes und der gleichnamigen Verfilmung tauchte ein quicklebendiger Hitler in der Gegenwart auf, die Amazon-Serie “The Man in the High Castle” nach einem Roman von Philip K. Dick spielte durch, wie die Welt aufgeteilt wäre, hätten die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen.

Geschichte neu schreiben, interpretieren und in einen aktuellen Kontext setzen – dem hat sich auch die israelische Künstlerin Yael Bartana in der Ausstellung “Redemption Now” (“Erlösung jetzt”) gewidmet, die derzeit im Jüdischen Museum Berlin zu sehen ist. In deren Zentrum steht die Videoarbeit “Malka Germania”, mit der die Künstlerin die größenwahnsinnige Idee der Welthauptstadt Germania des Hitler-Architekten Albert Speer aufgreift.

Es geht der in Amsterdam und Berlin lebenden Künstlerin, deren Vater ihr einst auftrug, niemals deutschen Boden zu betreten, um Macht, Gemeinschaften, Utopie – und Geschlechterrollen. Ihre Messias-Gestalt Malka ist androgyn.

“Ich habe das Gefühl, es gibt in Deutsch­land Bedarf an Veränderung, an einer neuen Vision für all die unter­schiedlichen Minder­heiten, einschließlich der hier lebenden Israelis”, sagt Yael Bartana in einem Interview auf der Seite des Museums. Sie lässt Malka durch ein Berlin gehen, dessen Straßenschilder hebräische Schrift tragen.

Versprechen auf Besserung

Mit einer Erlöser-Figur verbinden wir ein Versprechen auf Besserung, gerade in schwierigen Zeiten. Das Phänomen ist in vielen Kontexten zu beobachten, aktuell in der Pandemie ebenso wie bei der Wahl eines egomanen “Leaders” wie Donald Trump zum US-Präsidenten oder eben des “Führers” Adolf Hitler. “Anführer*innen enttäuschen uns sehr schnell”, sagt die Künstlerin.

Schon länger behandelt Bartana Propaganda und ihre ästhetischen Merkmale. Ein weiterer Teil der Ausstellung ist die Videoreihe “And Europe will be stunned”, in der sie die polnisch-jüdische Geschichte verarbeitet: Wie reagieren politische Bewegungen auf die Rückkehr von Millionen Juden nach Polen?

Mit dieser Arbeit hatte die Multimedia-Künstlerin 2011 den polnischen Pavillon der Kunst-Biennale in Venedig bespielt. In Yael Bartanas Arbeiten verschwimmen Realität und Fiktion. Vermehrt gab es Verwirrung, ob das Jewish Renaissance Movement, die fiktive Bewegung, die Juden zur Rückkehr nach Polen aufrief, real sei. Das Jüdische Museum ergänzt das Projekt nun mit Informationen über dessen Entstehungsprozess.

Was, wenn Frauen die Welt regierten?

In insgesamt sieben Kapiteln werden dort mehr als 50 frühe und neuere Arbeiten Bartanas gezeigt, darunter Video­arbeiten, Foto­grafien und Licht­skulpturen. Auch im Abschnitt “Der Kreislauf vom Ende der Welt” setzt sie sich mit Heilserwartungen auseinander und verknüpft sie mit Endzeitstimmung und der Suche nach einem Messias in der jüdischen Tradition.

Ob mit der Erlösung auch alle Probleme gelöst sind, fragt “Das Studienzimmer”, für das sich Yael Bartana unter anderem als der österreichisch-ungarische Publizist Theodor Herzl porträtiert hat und fragt: “What if Women Ruled the World?”

QUELLE

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