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Gefährdet mangelnde Intelligenz die Gesundheit?

In Zeiten besonderer Frustration über die leichtsinnigen Mitmenschen mag einem der Gedanke durchaus schon einmal gekommen sein, auch wenn man sich sogleich wieder zusammengerissen hat, um am eigenen positiven Menschenbild zu arbeiten. Aber offenbar ist es nun einmal eine statistische Tatsache: Intelligentere Menschen werden seltener krank und sterben später. Diesem Phänomen ist seit den frühen 2000ern sogar eine ganze Disziplin gewidmet: die kognitive Epidemiologie.

Deren aktueller Forschungsstand wurde nun im Journal „Nature Human Behaviour“ zusammengefasst. Empirisch stützt die Disziplin sich auf umfangreiche Kohortenstudien, bei denen Ergebnisse von Intelligenztests im Kindesalter mit Gesundheit und Sterberisiko im Erwachsenenalter korreliert wurden. Dabei zeigte sich übereinstimmend, dass Intelligenz mit einem längeren Leben assoziiert ist, und zwar sowohl in Hinsicht auf Tod durch Herz-Kreislauf-Beschwerden, Atemwegserkrankungen und Diabetes als auch, wenn Unfälle und Morde betrachtet werden. Nur Krebs stellt interessanterweise eine Ausnahme dar, sofern er nicht durch Rauchen hervorgerufen wurde.

Ähnliches zeigte sich für die Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter krank zu werden: Schlechtes Abschneiden im Jugend-Intelligenztest war mit höherem Risiko von Bluthochdruck, Stoffwechselproblemen und Diabetes korreliert. Aber was heißt das? Verhalten sich intelligente Menschen tatsächlich vernünftiger, sprich: gesundheitsförderlicher? Oder haben wir es hier mit einem Sekundäreffekt zu tun in dem Sinne, dass intelligentere Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit in einem für die Gesundheit weniger strapaziösen sozialen Umfeld landen?

Wenn man diesen Fragen statistisch nachgeht, zeigt sich: Es ist kompliziert. Bildung spielt eine Rolle, sozialer Status ebenso, gleichzeitig ist höhere Intelligenz offenbar tatsächlich mit einem vernünftigeren Verhalten korreliert. In der entsprechenden Bevölkerungsgruppe wird weniger Zucker konsumiert, seltener geraucht, mehr Sport getrieben und regelmäßiger Zahnseide genutzt. Nur was den Alkoholkonsum angeht, taten sich Menschen mit hohem IQ in einigen Studien negativ hervor.

Was aus all dem zu schließen ist, fassen die britischen Autoren bündig zusammen: Man sollte die Korrelation nicht nutzen, um damit etwas zu erklären, man müsse vielmehr weiter daran arbeiten, sie besser zu verstehen. Insbesondere solle man sie als Motivation zu breit angesetzter Gesundheitsaufklärung verstehen – kein einfacher Weg, wie wir mittlerweile wissen.

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