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Neue Bedrohung für australische Korallenriffe

Während weltweit die Sorge um marine Ökosysteme und die Gesundheit der Ozeane wächst, reißen vor allem die Nachrichten aus Australien nicht ab. Abermals steht das „Ningaloo Reef“, eines der größten Saumriffe der Welt, berühmt als Heimat der seltenen Walhaie und Juwel der nachhaltigen Tourismusbranche, im Schlaglicht der Wirtschaftsprofiteure. Dabei hatte das Jahr 2020, so schien es, für die Vertreter des westaustralischen Umweltschutzes so gut geendet: Nach langem Tauziehen zwischen Unternehmensvertretern und lokalen Naturschützern hatte das Unternehmen „Subsea 7“ sein Projekt einer Pipeline durch den an das Riff angrenzenden Golf von Ningaloo zurückgezogen. Nicht nur die Umweltschutzorganisation „Protect Ningaloo“, sondern auch die westaustralische Umweltbehörde EPA hatte große Schäden für das Riff und die darin beheimatete Tierwelt für wahrscheinlich gehalten.

Das Riff beheimatet mehr als 200 Korallenarten, 500 Fischarten und andere Riffbewohner, darunter Walhaie, Buckelwale, Mantarochen, Seekühe, Delphine, Meeresschildkröten und Haie. Doch die Zeit des Aufatmens für die wertvolle Natur währte nicht lange: Nun steht ein neues Bauvorhaben im Vordergrund, das seit 2019 Teil der aufstrebenden Wirtschaftsüberlegungen der Region ist, nun aber ins Visier der Behörden und Investoren geraten ist: Der sogenannte Gascoyne Gateway, ein neuer Tiefseehafen bei Exmouth, im Golf von Ningaloo und unweit des Marine Parks gelegen, soll einen Boom des Schiffsverkehrs der Region bewirken.

Der neue Hafen wird gerade von der Umweltbehörde geprüft. Er soll die „Exmouth Marina“, den bisherigen marinen Ankunfts- und Umschlagplatz des Städtchens, ersetzen, und deutlich größeren Schiffen das Anlegen ermöglichen. Der Gascoyne Gateway bezeichnet sich als den weltweit ersten „grünen Hafen“, denn er soll ökologisches Low-Impact-Management mit nachhaltigen Maßnahmen zum maritimen Schutz verbinden. Für manche nur ein Lippenbekenntnis, das über den wie gewohnt wirtschaftlichen Charakter des Vorhabens kaum hinwegtäuschen kann; für andere eine Chance, die Exmouth zu einem der wenigen Beispiele ökologischen Wirtschaftens machen könnte.

Wirklich ein grüner Tiefseehafen?

Zunächst einmal ist der Hafen jedoch vor allem ein enormes Bauvorhaben. Kern dessen soll die Aufnahme von Kreuzfahrtschiffen sein. Der bisherige Bootshafen kann nur Boote bis zu einer Länge von 35 Metern beherbergen. Riesige Ozeankreuzer müssen vor der Küste im Golf vor Anker gehen, ihre Gäste auf kleinen Booten an Land gebracht werden. Dies wiederum ist stark von Wetter und Seegang abhängig. Die nicht ganz unkomplizierte Anreise hielt die Flut von Gästen bisher in Grenzen. Mangels eines Massentourismus, wie das Great Barrier Reef ihn in der Hochsaison erlebt, ist das Riff vergleichsweise unberührt und der Ort zumindest unter ausländischen Touristen noch ein Geheimtipp. Dies könnte sich durch einen neuen Hafen ändern.

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