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Ein seltenes Risikosignal

Seit Donnerstagabend hat das Bangen ein Ende: Die europäische Arzneimittelagentur EMA hält den Impfstoff AZD1222 des Herstellers Astra-Zeneca nach eingehender Prüfung weiterhin für sicher. Dessen Nutzen überwiege die Risiken. Europa greift nun wieder zur Vakzine aus Oxford, auch in Deutschland geht das Impfen weiter. Das wurde vergangene Woche ausgesetzt, nachdem hierzulande sieben Fälle von schweren Blutgerinnungsstörungen aufgefallen waren.

Sechs Frauen und ein Mann im Alter zwischen 20 und 50 Jahren entwickelten vier bis 16 Tage nach der Astra-Zeneca-Spritze Sinusvenenthrombosen, drei von ihnen starben. Diese Thrombosen sind sehr selten, Studien lassen annehmen, dass von einer Million Menschen etwa 15 innerhalb eines Jahres darunter leiden. In den Hirnvenen bilden sich über Tage hinweg Gerinnsel, die den Blutabfluss behindern. Im Gehirn steigt der Druck, es kann zu Blutungen kommen, zu Hirnschäden und zum Tod. Betroffen sind eher Frauen als Männer, eher Junge als Alte.

Lasst die Jungen außen vor

Das Paul-Ehrlich-Institut PEI wertet die Fälle zunächst als ungewöhnliche Häufung und hält es für ein seltenes Risikosignal. Die EMA erklärte jedoch, dass die Analysen keinen kausalen Zusammenhang zwischen Impfung und Thrombosen ergaben. Das wird weiter untersucht, auch, ob eine Autoimmunreaktion dahinterstecken könnte. Zu bemerken ist, dass die Erkrankten jener Altersgruppe angehören, die, wie es das PEI formuliert, nicht zum Personenkreis gehören, der von einem hohen Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf von Covid-19 betroffen ist.

Der Impfstoff wird nun mit einem Warnhinweis versehen und der Aufklärungsbogen aktualisiert. Eine Lösung wäre, junge Menschen vorerst mit den mRNA-Präparaten zu impfen, wie es die oberste Gesundheitsbehörde in Frankreich beispielsweise empfiehlt.

Mit Komplikationen, ob sie nun seltene Nebenwirkung der Vakzine oder reiner Zufall sind, war auch bei einem wirksamen Impfstoff wie AZD1222 zu rechnen. Vermutlich wird dies nicht der letzte Zwischenfall auf dem langen Weg aus der Pandemie sein. Es wäre fatal, allein auf die Impfungen zu setzen. Noch fehlen Medikamente und vor allem – eine ausgereifte Teststrategie.

QUELLE

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