Kultur

Pritzker-Preis für Architektur geht nach Paris

Ihre Entwürfe zeichnen sich durch Offenheit und Licht aus, nun erhält das Pariser Architektur-Büro der 1955 geborenen Anne Lacaton und des ein Jahr älteren Jean-Philippe Vassal den Pritzker-Preis. Die Jury der weltweit höchsten Auszeichnung für Architektur würdigte damit “die Verbesserung des menschlichen Lebens durch eine Perspektive der Großzügigkeit und Benutzungsfreiheit”. Die Preisträgerin und der Preisträger hätten den Architekturberuf völlig neu definiert.

Lacaton und Vassal hatten sich in den 1970er-Jahren beim Studium in Bordeaux kennengelernt. Vassal ging anschließend als Stadtplaner ins westafrikanische Niger, wo er später mit Lacaton das erste Projekt umsetzte. Bis heute prägen die Erfahrungen aus jener Zeit die Arbeit ihres 1987 gegründeten Büros in Paris. Dort steht auch eines der bekanntesten Werke von Lacaton & Vassal, das 2002 neu eröffnete Ausstellungshaus Palais de Tokyo.

“Gute Architektur ist ein Raum, in dem etwas Besonderes passiert, in dem man lächeln möchte, nur weil man dort ist”, sagt Jean-Philippe Vassal. “Es ist auch eine Beziehung zur Stadt, eine Beziehung zu dem, was man sieht, und ein Ort, an dem man glücklich ist, an dem sich die Menschen wohlfühlen – ein Raum, der Emotionen und Vergnügen bereitet.”

Abriss als Verschwendung abgelehnt

Das Duo berücksichtigt bei seinen Entwürfen auch Klima- und Umweltaspekte, Abriss lehnt es als überflüssige Verschwendung ab. In Bordeaux setzten Lacaton & Vassal 530 Sozialwohnungen instand. Derzeit arbeiten sie am Umbau eines früheren Krankenhauses in Paris zu einem Wohnblock, auch in Hamburg entsteht nach ihren Plänen ein Wohngebäude. “Wir sehen das Vorhandene nie als Problem”, sagt Anne Lacaton. “Wir schauen mit positiven Augen, weil es eine Möglichkeit gibt, mehr aus dem zu machen, was wir bereits haben.”

Der mit rund 84.000 Euro dotierte Pritzker-Preis gilt als wichtigste Ehrung in der Architektur und wird seit 1979 verliehen. Im vergangenen Jahr waren die beiden irischen Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara den Preis erhalten. Unter den weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern der Vorjahre sind Kazuyo Sejima, Carme Pigem Barceló, Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Frank Gehry und Sir Norman Foster.

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