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Google wirft “Titanic”-App aus dem Play Store – Satiremagazin gibt sich kampfbereit

“Titanic”-Abonnenten kommen derzeit per App nicht mehr an die aktuellen Ausgaben des deutschen Satiremagazins. Der Grund ist eine religiöse Karikatur, die von dem amerikanischen Digitalkonzern Google als anstößig bewertet wird. Die “Titanic”-App wurde deshalb von Google aus seinem Play Store gelöscht. Wer die App zuvor abonniert hatte, kann zwar noch in alten Inhalten blättern, auf neue Ausgaben des Magazins haben die Leser aber keinen Zugriff mehr.

In deutschen Medien ist schon von “Penisstreit” die Rede, der “Spiegel” griff den Fall mit als erstes auf. Stein des Anstoßes ist eine Karikatur, die die “Titanic” schon vor einiger Zeit veröffentlich hatte.

Google gefällt die Papst-Darstellung der “Titanic” nicht

Dargestellt sind auf dem Dezember-Heftcover der Papst mit blankem Hinterteil, aus dem ein Kruzifix herausragt. Daneben zu sehen ist eine sichtlich ärgerliche Jesus-Figur mit entblößtem Geschlechtsteil. Gottes Sohn soll wohl eifersüchtig sein auf Gott – in einer Sprechblase über ihm stehen die Worte “Denkst Du wieder an ihn?”.

Laut dem Magazin “Heise” soll das Comic eine Anspielung auf ein Titelbild der französischen Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” sein. Dort sei in einer ähnlichen Szene der Premierminister der Türkei zu sehen gewesen. “Charlie Hebdo” gelangte im Dezember 2015 wegen eines islamistisch motivierten Terroranschlags zu weltweit trauriger Bekanntheit. Das Magazin wird immer wieder wegen seiner religiösen Karikaturen kritisiert.

Nun also auch die “Titanic”. Deren Chefredakteur Moritz Hürtgen nahm inzwischen zu dem Fall Stellung und macht deutlich, dass sich das Magazin gegen die Löschung wehrt und auf keinen Fall klein beigeben will. “Titanic wird sich nicht selbst zensieren, um dem verkniffenen Humor von Monopolwichsern in San Fernando Valley, äh: Silicon Valley gerecht zu werden”, ließ er sich am Montag in einer Pressemitteilung zitieren.

Die Löschung aus dem Play Store dauere mittlerweile gute zwei Wochen an, beklagt das  “Titanic”-Magazin, Google habe sie nicht angekündigt.

Chefredakteur Hürtgen gibt sich in der Stellungnahme kampfbereit: Sollte Google die “Titanic”-App nicht mitsamt aller Motive wieder freischalten, werde das Magazin den Store dauerhaft verlassen, drohte er. “Auch wenn dies den Verlust digitaler Abonnements bedeutet”.

Medienberichten zufolge ist die App seit 2014 im Store gelistet und wegen der Einstufung als Satire mit einer Altersbeschränkung von 12 Jahren versehen. Wie “Heise” berichtet, fordert Google von der “Titanic” auch, einige ältere Heftcover mit Darstellungen von Nacktheit und Sexualität zu löschen.

Die traditionell streitbare “Titanic” bietet ihren Lesern inzwischen einen Umweg an, um doch noch an die neuen Inhalte des Satiremagazins zu kommen: Die Abonnenten können sich bei der Redaktion melden und würden dann – unbürokratisch – mit Print- oder PDF-Ausgaben versorgt, teile die Zeitschrift mit.

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