Digital

Versöhnliche Töne

Auf manche Lösung muss man erst einmal kommen – vorausgesetzt, man hat das Problem überhaupt auf dem Schirm. Zwei schöne Beispiele sind uns kürzlich begegnet: Sony fand heraus, wie man den Fernsehton einfach am Henkel mitnehmen kann, und Technisat baut ein Küchenradio, das auf Kommando loslegt, ganz ohne Vernetzung mit Amazon oder Google.

Zunächst zur Sony-Idee, die alles andere als abwegig ist. Wenn die Familie etwa vor dem Bildschirm sitzt und Opa Mühe hat, dem nuschelnden Kommissar akustisch zu folgen, könnte er sich einen Kopfhörer aufsetzen, wäre dann aber von seinen Mitmenschen ziemlich abgeschottet. Oder er könnte sich die Fernbedienung schnappen und die Lautstärke hochfahren, bis die Nachbarn gegen die Wand klopfen. Was aber, wenn er den Ton näher an sich heranrückte? Ebendies erlaubt ein kleiner TV-Lautsprecher am Tragegriff, der obendrein auch noch als Fernbedienung dient. Der Apparat mit dem Namen SRS-LSR200 für etwa 150 Euro inspiriert gleich zu weiteren Szenarien: Wenn etwa der Durst nach einem frischen Bier verlangt, kann man den Henkelmann rasch mit zum Kühlschrank nehmen, ohne Wesentliches zu verpassen.

Zunächst füllt eine flache, mit einem USB-Netzteil verbundene Ladeschale den eingebauten Akku. Der Untersetzer stellt auch die Audiokontakte zum Fernseher her – entweder digital mit einer optischen Kabelverbindung oder analog über eine Verdrahtung mit dem Kopfhörer-Ausgang. Die Ladeschale dient zugleich als Sender im 2,4-Gigahertz-Band. Sie befunkt den Lautsprecher und sorgt so für seine Bewegungsfreiheit im Umkreis von etwa 30 Metern. Die Fernbedienungstasten auf dem Oberdeck können nicht nur Sony-Fernseher steuern. Alle gängigen Fabrikate reagieren auf ihre Befehle, wir haben es zum Beispiel mit Modellen von Samsung und Philips probiert. Zuvor allerdings muss man eine bestimmte Tastenkombination drücken und anschließend einen passenden Zifferncode für die jeweilige TV-Marke eingeben, aber das ist in wenigen Sekunden erledigt.

Komplizierte Manöver in den Bedienmenüs unterstützt die Fernbedienung nicht, aber sie schaltet zwischen Programmen um, regelt die Lautstärke oder wählt den Eingang für externe Quellen. Der kleine Lautsprecher spielt dreistimmig: Zwei Mini-Chassis geben die Stereo-Kanäle wieder, das mittlere strahlt ein Mono-Signal ab. Der Klang entspricht der überschaubaren Membrangröße. Nennenswerte Bässe liefert das Gerät nicht, aber das ist auch nicht seine Mission.

Die Idee von Technisat ist ebenso plausibel: Gerade in der Küche, wo die Hände gern im Kuchenteig kneten, im Topf rühren oder Gurken guillotinieren, ist Sprachsteuerung hilfreich. Aber nicht jeder liebt die Vernetzung mit den Lauschdiensten der Internetriesen, und nicht jeder mag zunächst Online-Zugänge und Apps konfigurieren. Also hat Technisat eine eigene, offline funktionierende Sprachsteuerung entwickelt, die zwar nicht das Wetter vorhersagt, aber die wichtigsten Funktionen eines Küchenradios verbal auslösen kann.

Die Sprachsteuerung ist an standardisierte Befehle gebunden. Kommandos wie „Ton lauter“, „Weiter“, „Quelle DAB“ oder „Ausschalten“ muss man sich merken und korrekt aufsagen, zuvor aktiviert der Zuruf „Hey Technisat“ den Horchmodus. Ob sich das Radio aus dem Stand-by-Modus auch auf Zuruf einschalten kann, entscheidet sein Besitzer in einem speziellen Menüpunkt. Das System funktioniert im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr gut, eine Stimme im Gerät quittiert die jeweilige Funktion mit einer Stichwortansage, damit der Hobbykoch weiterarbeiten kann, ohne den Blick abzuwenden.

QUELLE

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