Sport

Das Schweigen des FC Bayern

An einem Januarabend vor einem Jahr sitzen zwei Männer aus Nepal auf einer Bühne in München. Sie sind aus Qatar gekommen, wo man sich sehr um den großen Sport bemüht, aber weniger um die Menschen, die die Infrastruktur dafür bauen. Die Männer aus Nepal haben in Qatar, dem Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, gearbeitet, einer tut es noch immer. Sie sollen sprechen für mehr als zwei Millionen Arbeitsmigranten, die zum Teil in menschenunwürdigen Verhältnissen im Emirat leben – und für jene, die dort ihr Leben verloren haben.

Viele der Toten kommen aus Nepal. In seinem WDR-Film „Gefangen in Qatar“ hat der Journalist Benjamin Best eine Zahl veröffentlicht, die ihm von der nepalesischen Regierung genannt worden ist: In Qatar sollen demnach zwischen 2009 und 2019 mindestens 1426 Arbeiter aus ihrem Land gestorben sein, 522 davon an einem plötzlichen Herztod.

An dem Januarabend in München sitzt Best als Moderator mit den zwei Nepalesen auf der Bühne. Dort steht auch ein leerer Stuhl, auf dessen Lehne ein Trikot vom FC Bayern hängt. Der Verein ist eingeladen worden, aber niemand ist gekommen. So passt das, was man auf der Bühne sieht, zu dem, was der Rekordmeister in der öffentlichen Diskussion um Qatar meistens macht: Er schweigt.

An diesem Montag (19.00 Uhr bei DAZN) steigt der FC Bayern mit dem Halbfinalspiel gegen Al Ahly SC aus Ägypten (im Finale würde am Donnerstag Tigres UANL aus Mexiko warten) in die Klub-WM ein. Sie findet in Qatar statt, wo der wichtigste deutsche Fußballverein – mit Ausnahme von diesem Jahr – seit 2011 Winter für Winter sein Trainingslager abhält und wo er seit 2016 für viele Millionen Euro Sponsorendeals macht: anfangs mit dem Hamad International Airport Doha, inzwischen mit Qatar Airways. Es ist schon oft auf die Umstände dieser Partnerschaften hingewiesen worden. Jetzt, da die Bayern mal wieder im Lande sind, ist es besonders interessant, auf das vergangene Jahr zurückzublicken – mit der Frage: Wie geht der FC Bayern mit Kritik an seinen Qatar-Beziehungen um und wie mit Kritikern?

Wenn man wissen will, wie sich die Auseinandersetzung im Verein mit dem Thema entwickelt hat, sollte man sich auch unter seinen Mitgliedern umhören. Die kritischsten kommen aus der Südkurve, zum Beispiel vom „Club Nr. 12“, dem unabhängigen Zusammenschluss der aktiven Fans des FC Bayern mit etwa 4500 Mitgliedern. Sie, die nicht genannt werden wollen, haben vor einem Jahr die Arbeiter aus Nepal zu ihrer Podiumsdiskussion eingeladen.

Sie haben auch auf einen Austausch mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gedrungen, als der FC Bayern in Qatar noch keine großen Sponsorendeals machte, sondern nur ein Trainingslager. Es gab damals, in den frühen Jahren des vergangenen Jahrzehnts, laut „Club Nr. 12“ ein Treffen zwischen dem FC Bayern und Amnesty. Ohne Fans, aber immerhin. Sie sahen einen Fortschritt und danach viele Rückschritte.

In den vergangenen Jahren haben die Bayern den Kontakt mit Geschäftsmännern in Qatar vertieft und den mit den eigenen Mitgliedern vermieden. So sehen das Fans aus der Südkurve. Sie fingen an, mit großen Bannern im Stadion gegen das Trainingslager und vor allem die Sponsorendeals zu protestieren. Ihre öffentlichen Aktionen, sagen sie, könne man als Reaktion darauf verstehen, dass sie auf dem internen Weg nicht weitergekommen sind. Als sie den Verein zu ihrer Podiumsdiskussion einluden, habe dieser nicht mal abgesagt.

QUELLE

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