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Leopard II wird mit Hard-Kill-Schutzsystem aus Israel ausgerüstet

Deutschland will eine Panzerkompanie mit dem Rafael Trophy Active Protection Systems (APS) ausrüsten. Dieses System soll die Leoparden besser vor Anti-Tank-Raketen (ATGM) schützen. In Syrien hatte die Türkei deutsche Leopard-Panzer eingesetzt und schnell schwere Verluste durch diese Art von Raketen hinnehmen müssen. Es handelte sich zwar um ältere Baureihen, aber der Leopard büßte deutlich von seinem Nimbus ein. Zumal auch ein grundlegender Konstruktionsfehler mitverantwortlich für die Verluste war.

Abgesehen von den Einsatzfehlern des türkischen Militärs sind ATGMs eine wachsende Gefahr. Bazooka und Panzerschreck aus dem Zweiten Weltkrieg konnten nur auf sehr kurze Entfernung eingesetzt werden, moderne ATGMs treffen ihr Ziel aus mehr als drei Kilometern Entfernung (Lesen Sie hierzu: “Panzerschreck – das Ofenrohr war die XXL-Variante der amerikanischen Bazooka“).

Die Panzerung kann da kaum mithalten, auch wenn Panzerplatten aus mehreren Materialschichten einen besseren Schutz versprechen. Zusätzlich werden reaktive Panzerungen eingesetzt. Eine ATGM sprengt das Ziel nicht mit roher Gewalt auf, wie etwa Hartkernmunition aus Uran oder Wolfram, sondern setzt eine Art “Schweißstrahl” ein. Die reaktive Panzerung explodiert und sprengt so den gegnerischen Gefechtskopf quasi weg. Ein aktiver Schutz wie APS arbeitet anders. Ein spezielles Radar erfasst die anfliegende Rakete, am Turm wird eine Ladung auf die Bedrohung ausgerichtet, kurz vor dem Einschlag wird sie gezündet und erzeugt einen Splitterkegel, der den anfliegenden Gefechtskopf zerfetzt. Bei den aktiven Abwehrsystemen sind die russischen Streitkräfte weit fortgeschritten. Seit den 1990ern werden Panzer mit dem Arena-System ausgestattet. Hier wird eine Kassette vom Turm ausgestoßen, ihre Explosion löst dann einen Splitterhagel aus.

Aktiv ATMGs bekämpfen

Wie alle Hard-Kill-Systeme wird Trophy APS am Turm des Leoparden montiert. Die bekannten Gewichtsprobleme des Panzers und insbesondere des Turms dürften so weiter zunehmen. Im Laufe der Zeit wurde der deutsche Kampfpanzer, der aus dem Kalten Krieg stammt, immer weiter nachgerüstet, sowohl was Technik als auch was Panzerung angeht. Jede Runde führte zu Mehrgewicht. Die NATO-Panzer sind ohnehin weit schwerer und damit auch unbeweglicher als die russischen Modelle.

Die Einheit der Bundeswehr soll die Trophy-Systeme schon im Jahr 2022 erhalten. Die 17 Trophys sollen auf Leoparden der Version 2 A7 installiert werden. Das aufgerüstete System wird dann A7A1 heißen. Die Bundeswehr hat mehrere Hard-Kill-Systeme erprobt. Trophy erhielt den Zuschlag, weil das israelische System seine Wirksamkeit bereits im Gefecht unter Beweis gestellt hatte. Damit konnte das Konkurrenzprodukt von Rheinmetall ADS nicht punkten. Trophy APS wurde zudem von den USA ausgewählt, um vier Brigaden mit M-1A2 SEP2 Abrams-Panzern nachzurüsten. Während die USA damit “in die Vollen” gehen, agiert die Bundeswehr vorsichtiger. Der Auftrag umfasst allein die 17 Systeme. Genug, um eine Kompanie und vier Ersatzfahrzeuge auszustatten. Es ist zu erwarten, dass auf Dauer alle Leopard-Panzer des Heeres mit Hard-Kill-Systemen ausgestattet werden. Die Bundeswehr gibt so den konkurrierenden Firmen die Möglichkeit, doch die größeren Aufträge zu bekommen.

Kampf von Hase und Igel

Ob Systeme wie APS auf Dauer die schweren Kampfpanzer wirksam schützen können, ist fraglich. Die älteren Anti-Tank-Raketen werden sie abwehren können. Doch schon die simple russische Panzerbüchse RPG-30 Krjuk überlistet sie. Bei der RPG-30 handelt es sich nicht um ein vergleichsweise großes System. Sie hat die Größe einer Bazooka und kann von einem Schützen transportiert und eingesetzt werden. Die RPG-30 wirft zwei Raketen aus. Vor dem tödlichen Gefechtskopf fliegt ein Dummy auf der gleichen Bahn, kurz vor dem Ziel detoniert der Dummy und löst so die Raketenabwehr aus. Der eigentliche Gefechtskopf passiert dann ungestört. Die PRG -30 wird seit 2012 in großer Zahl hergestellt. Fortgeschrittene ATGMs wie die FGM-148 Javelin der USA oder Trigat aus Deutschland greifen ihr Ziel senkrecht von oben an, dieser Aufschlagswinkel überfordert die meisten Hard-Kill-Systeme (Lesen Sie hierzu: “Klein, tragbar, tödlich – die Javelin ist der gefährlichste Tank-Killer der Welt“).

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