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Tim Cook teilt gegen Facebook aus: “Wir verlieren die Freiheit, ein Mensch zu sein”

Es sind gerade einmal 20 Kilometer, die zwei der mächtigsten Firmen der Welt voneinander trennen. Wenn die Straßen leer sind, benötigt man nicht einmal eine halbe Stunde, um vom kalifornischen Palo Alto ins benachbarte Cupertino zu düsen. Doch zwischen Facebook und Apple, den beiden Silicon-Valley-Giganten, tobt der wohl hitzigste Nachbarschaftsstreit der Welt, in den Milliarden Nutzer und Nutzerinnen unfreiwillig mit hineingezogen wurden.  Der Konflikt schwelt seit Jahren – doch nun scheint er außer Kontrolle zu geraten.

Erst am Mittwoch teilte Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Gespräch mit Analysten kräftig gegen Apple aus. Der iPhone-Hersteller sei “einer unserer größten Konkurrenten”, erklärte er. Vor allem Apples geplante Verschärfung des Datenschutzes in iOS-Apps ist Zuckerberg ein Dorn im Auge, immerhin verdient sein Konzern Geld mit Online-Werbung, die möglichst passgenau auf die Vorlieben der Nutzerinnen und Nutzer geschneidert wird. Je mehr Facebook über die Vorlieben seiner User weiß, desto teurer kann das Unternehmen die Werbung verkaufen.

Dass Apple in wenigen Wochen auf all seinen iPhones dieses Geschäftsmodell mit der Einführung strengerer Datenschutzmechanismen torpediert, hält Zuckerberg für verlogen: “Apple mag behaupten, dass sie es tun, um den Leuten zu helfen”, führte er aus. “Aber ihre Schritte folgen klar ihren Wettbewerbsinteressen.”

Tim Cook teilt gegen Werbeindustrie aus

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Apple-Chef Tim Cook war Hauptredner der diesjährigen Eröffnungs-Keynote der EU-Datenschutzkonferenz CPDP. Darin lobte er die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) als Fortschritt in Sachen Verbraucherschutz und forderte erneut, dass die USA und der Rest der Welt ähnliche Gesetze verabschieden sollten.

Vor allem aber sprach Cook über seine Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Geschäftsmodelle einiger Silicon-Valley-Nachbarn. Mehrfach wiederholte der Apple-Chef den Punkt, dass in vielen Fällen die Menschen überhaupt keine Kunden mehr seien, sondern eher das Produkt, welches Unternehmen an Werbetreibende verkaufen würden. “Wenn wir es als normal und unvermeidlich akzeptieren, dass alles in unserem Leben gesammelt und verkauft werden kann, verlieren wir so viel mehr als nur Daten. Wir verlieren die Freiheit, ein Mensch zu sein.”

Den Namen sprach Cook nie aus, doch es war klar, an wen sich seine Kritik vor allem richtet: Facebook. “In einer Zeit grassierender Desinformation und von Algorithmen angeheizter Verschwörungstheorien können wir nicht länger die Augen vor einer Theorie der Technologie verschließen, die besagt, dass jedes Engagement ein gutes Engagement ist – je länger, desto besser – und alles mit dem Ziel, so viele Daten wie möglich zu sammeln”, führte Cook weiter aus. “Es ist längst an der Zeit, damit aufzuhören, so zu tun, als ob dieser Ansatz nicht mit Kosten verbunden wäre – mit Polarisierung, mit verlorenem Vertrauen und, ja, mit Gewalt”, ergänzte er.

Seine Botschaft ist klar: Wenn ein Geschäft auf der Irreführung von Usern und der Ausbeutung von Daten basiert, sollte es nicht gelobt, sondern reformiert werden.

Facebook will gegen Apple klagen

Viele Konzerne argumentieren, ihre Online-Dienste würden so gut und zuverlässig funktionieren, gerade weil sie so viel über ihre Anwender und Anwenderinnen wissen. Tim Cook ist jedoch vom Gegenteil überzeugt: “Niemand muss die Rechte seiner User eintauschen, um ein großartiges Produkt zu liefern”, erklärt er. Ein Beispiel dafür sei die Apple Watch. “Es ist eine Technologie, die in den Hintergrund treten kann, wenn Sie wandern oder schwimmen gehen, aber da ist, um Sie zu warnen, wenn Ihre Herzfrequenz in die Höhe schießt oder Ihnen zu helfen, wenn Sie einen bösen Sturz hatten. Und bei all dem stehen Datenschutz und Sicherheit immer an erster Stelle.”

Facebook entwickelt mit dem gleichnamigen Netzwerk, Instagram und Whatsapp einige der erfolgreichsten Apps überhaupt. Apple wiederum ist neben Google der größte Plattformbetreiber der Welt. Beide Konzerne sind aufeinander angewiesen und können eigentlich keinen Bruch miteinander wagen, ohne einen öffentlichen Aufschrei zu riskieren. Doch der Riss scheint so tief zu sein, dass Facebook nun offenbar die nächste Eskalationsstufe vorbereitet: Einem Bericht des Branchendienstes “The Information” zufolge bereitet Facebook derzeit eine Kartellklage gegen Apple vor.

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