Kultur

Rekordjunge: Botticelli-Porträt wird versteigert

Es ist schon eine Sensation, wenn am 28. Januar Sandro Botticellis “Junger Mann mit Medaillon” beim New Yorker Auktionshaus Sotheby’s unter den Hammer kommt. Auktionen der Alten Meister sind selten. Zudem ist der “Junge Mann” eines von nur zwölf erhaltenen Porträts aus der Hand des florentinischen Malers.

Sandro Botticelli war einer der größten Künstler – nicht nur der in Florenz begründeten Renaissance, sondern der europäischen Kunstgeschichte. Geboren wurde er 1445.  Botticelli malte unter anderem die mythologisch-allegorischen Gemälde “Geburt der Venus” und “Primavera”.

Seine Identität ist ein Geheimnis

Das Bildnis des “Jungen Manns mit Medaillon” ist nur wenige Jahre nach der “Primavera” entstanden. Es wird auf Mitte der 1480er-Jahre datiert. Sandro Botticelli gab damals die vorherrschende Mode des in Italien üblichen Profilbildes auf und malte den jungen Mann fast in Frontalansicht.

Das Geheimnis um die Identität des Porträtierten konnte nie gelüftet werden. Es wird gemutmaßt, er stamme aus dem Umfeld des damaligen Regenten und Kunstmäzens  Lorenzo de’ Medici, genannt “il Magnifico”, der Sandro Botticelli besonders schätzte und förderte.

Mit Blick auf Haltung und Kleidung stammt der junge Mann zweifelsohne aus gehobenem Hause. In seinen Händen hält er ein großes Medaillon, auf dem ein alter Mann mit langem, grauen Bart zu sehen ist – wohl ein Heiliger, der die Hand zum Segensspruch erhebt.

Botticelli hat das Bildnis der Darstellung des sienesischen Malers Bartolommeo Bulgarini aus dem 14. Jahrhundert nachempfunden. Womöglich handelt es sich bei dem Heiligen um einen Schutzpatron der Familie.

“Junger Mann” wechselte mehrmals Besitzer

Das Tafelporträt selbst war über Jahrhunderte weitgehend unbekannt und hing unbemerkt in einem walisischen Schloss der Familie Newborough. Ein Vorfahr von Lord Newborough, Sir Thomas Wynn, soll es in Florenz erworben und nach Wales gebracht haben.

Erst in den 1930er-Jahren wurde es einem kleinen Kreis von Kunstkennern bekannt. Zwischen 1935 und 1938 war es im Besitz eines Londoner Kunsthändlers, der es wiederum an einen Sammler veräußerte. Dessen Erben gaben es 1982 bei Christie’s zur Auktion, wo es der derzeitige Besitzer für 810.000 Pfund ersteigerte.

In den vergangenen Jahrzehnten war das Gemälde immer wieder in berühmten Museen zu sehen – in London und Washington sowie auch 2009 im Frankfurter Städel.

Das Gemälde ist auf rund 66 Millionen Euro (80 Millionen Dollar) taxiert – mit Luft nach oben. Es könnte das nächste Werk werden, das die 100-Millionen-Dollar-Grenze knackt, wie zuletzt mit 111 Millionen Dollar bei Claude Monets “Meules”. Bis dato unangefochten bleibt Leonardo da Vincis “Salvator Mundi”, das für unfassbare 450 Millionen Dollar bei einer Christie’s-Auktion 2017 unter den Hammer kam.

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