Wirtschaft

H&M will 800 Mitarbeiter loswerden – gerne auch junge Mütter

Die Coronakrise macht auch dem Moderiesen H&M zu schaffen. Viele Filialen waren zeitweise geschlossen, der Umsatz des Gesamtkonzerns sank im vergangenen Jahr um 18 Prozent. Um Kosten zu sparen, will H&M weltweit sein Filialnetz verkleinern und Mitarbeiter entlassen. Allein in Deutschland sind Hunderte Arbeitsplätze in Gefahr, seit November verhandelt der Konzern über den Abbau von 800 Stellen in den hiesigen Filialen.

Die Leidtragenden könnten einem Medienbericht zufolge insbesondere junge Mütter sein. Wie der Business Insider berichtet, würde die H&M-Geschäftsführung gerne über ein freiwilliges Abfindungsprogramm möglichst viele Mitarbeiter loswerden. Das Programm richte sich unter anderem auch explizit an Mitarbeiter, die sich gerade in Elternzeit befinden. Diese seien in dem Vorschlag als prädestinierte Gruppe auserkoren. Betroffen wären vor allem junge Mütter.

Ziel sei es, Personal in den Filialen einzusparen, in denen zu wenig Umsatz erwirtschaftet wird. Mitarbeiter mit kleinen Kindern, die nicht an den umsatzstarken Abendzeiten und nicht am Wochenende arbeiten können, sind daher laut Business Insider besonders im Fokus. Das Gesetz schützt Mitarbeiter zwar vor Kündigung in der Elternzeit, danach aber könnten Betroffene ihren Job verlieren. Die Gewerkschaft Verdi ist empört. H&M sei in der Pflicht, “Frauen in Elternzeit und berufstätigen Müttern familienfreundliche Arbeitszeiten zu ermöglichen, anstatt ihre Doppelbelastung als Schwäche auszunutzen”, sagt Verdi-Mann Cosimo-Damiano Quinto zum Business Insider.

H&M weist Vorwürfe zurück

H&M dagegen erklärt, Ziel sei es, “möglichst viele Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Dabei hat H&M Deutschland schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssen”, wie eine Sprecherin dem Business Insider erklärte. “Deshalb steht H&M Deutschland derzeit im Dialog mit den zuständigen Mitbestimmungsgremien über den Abbau von 800 Stellen in den H&M Geschäften, dies entspricht rund 5% aller Kolleg*innen von H&M in Deutschland”, fügt die Sprecherin an. Auf Anfrage des stern widersprach das Unternehmen zudem dem Vorwurf, das Freiwilligenprogramm richte sich vorrangig an Mütter und Väter. “Es richtet sich an alle Kolleg*innen aus unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen, die sich konkret für dieses Programm entscheiden können”, sagte eine Sprecherin. Mit dem Programm sollten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Kämen nicht genug Freiwillige zusammen, erfolgten die Kündigungen über die Sozialauswahl, welche Mütter und Väter mit besonderen Härten schütze.

Klar ist, dass nicht die Corona-Pandemie allein den Konzern in die Krise gestürzt hat, sondern auch eine lange vernachlässigte Digitalstrategie. Nun rächt sich, dass der Konzern bis vor Kurzem noch voll auf sein gigantisches Filialnetz vertraute, und den Onlinehandel nur zögerlich ausbaute. Dies will und muss der Konzern nun nachholen.

QUELLE

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